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Informationsabend zur Heilmittel-Regress-Prophylaxe

Ärzte und Therapeuten gemeinsam für eine Heilmittelversorgung ohne Regresse

Über die Notwendigkeit von Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie bei bestimmten Krankheitsbildern sind sich Ärzte und Therapeuten einig. Trotzdem zögern Ärzte bei der Verordnung dieser Heilmittel, denn die Furcht vor teilweise existenzbedrohenden Regressen ist groß. Heilmittelversorgung ohne Regresse, war das Thema einer Veranstaltung der TIG in Ingolstadt auf der sich am vergangenen Dienstag mehr als 80 Ärzte und Therapeuten getroffen haben, um gemeinsame Strategien zur besseren Patientenversorgung zu vereinbaren. 

In seinem Vortrag zeigte Ralf Buchner, Unternehmensberater und langjähriger Experte für das Thema Heilmittel-Regress-Prophylaxe aus Kiel, wie man Heilmittel verordnet und dabei die Regressgefahr reduziert und Ärzte und Heilmittelerbringer durch gezielte Zusammenarbeit den Patienten die Heilmittel zukommen lassen können, die medizinisch notwendig sind, und zwar ohne Regress! 

„Die Absurdität, dass Ärzte mit ihrem Einkommen persönlich dafür haften müssen, dass die Verordnung wirtschaftlich ist, ist weltweit einmalig“, beschreibt Buchner die Situation in Deutschland. „Obwohl die Ärzte sich exakt an den vorgegebenen Heilmittelkatalog halten, sollen sie für Ihre Verordnungen persönlich haften – das ist medizinisch nicht nachvollziehbar und entbehrt obendrein jeder rechtsstaatlichen Grundlage.“ Buchner plädiert dafür, die teils unsinnigen Regeln des Systems so anzuwenden, das Therapeuten und Ärzte die Regressabwehr gemeinsam betreiben.

Die Angst der Ärzte, für die Verordnung von Heilmitteln mit Ihrem Honorar haften zu müssen, ist sehr real. Tatsächlich werden Ärzte von den Krankenkassen und durch Informationen der Kassenärztlichen Vereinigung immer wieder ermahnt, nicht mehr zu verordnen, als der Durchschnitt aller Kollegen. Liegt ein Arzt mit seinen Heilmittelverordnungen über diesem, ihm vorab nicht bekannten Durchschnitt, muss er Mehrverordnungen womöglich vollständig aus seinem eigenen Honorar bezahlen!

„Ich liege 150% über den Verordnungen meiner Kollegen und jetzt sollen die Mehrverordnungen einfach von meinem Honorar abgezogen werden“, empört sich ein betroffener Kinderarzt, der lieber nicht genannt werden will. „Ich verordne weiter, weil es medizinisch keine Alternative gibt, aber schlafen kann ich schon seit Wochen nicht mehr richtig!“

So wie diesem Kinderarzt geht es vielen Ärzten in der Region. Auf der Veranstaltung im Bürgerhaus Neuburger Kasten hat Buchner gezeigt, wie man in solchen Fällen Regress-Prophylaxe betreibt und wie Therapeuten ihr verordnenden Ärzte dabei unterstützen können, wenn es tatsächlich zu einer Regressandrohung kommt. 

Umfangreiches Material zum Thema Heilmittel-Regress wurde allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt und so manche Idee zur Lösung des Problems diskutiert.

Am Ende der Veranstaltung waren sich alle Teilnehmer einig: Erstklassige Zusammenarbeit zwischen informierten Ärzten und zielorientiert arbeitenden Therapeuten ist das beste Rezept gegen drohende Heilmittelregresse. Die Kommunikation zwischen diesen Berufsgruppen soll weiter verstärkt werden.

Das ist besonders auch für die Patienten in und um Ingolstadt herum ein erfreuliches Ergebnis, denn in Zukunft wird Ihnen von den Ärzten aus der Region 10 sicherlich die optimale Therapie verordnet, wenn es medizinisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Veranstaltet wurde das Treffen von der Therapeuten-Interessengemeinschaft TIG e.V. eines Zusammenschlusses von Logopäden, Physio-und Ergotherapeuten der Region 10.

Die positiven Impulse der Veranstaltung will man jetzt aufnehmen und auch den Ärzten zukommen lassen, die keine Zeit hatten an der Veranstaltung teilzunehmen.